In zwanzig Jahren werden wir uns fragen, warum wir 2010 nicht die richtigen Weichen für die Pflege gestellt haben

Bernd Meurer

Noch scheint es bei einigen nicht angekommen zu sein. Aber über kurz oder lang wird immer mehr Menschen die Bedeutung der Pflege bewusst werden. Viele Angehörige sehen sich plötzlich damit konfrontiert, einen Pflegebedürftigen selber zu versorgen oder aber seine Betreuung durch eine Pflegeeinrichtung organisieren zu müssen. Und wir wissen alle: Diese Situation wird sich aufgrund der demografi schen Entwicklung verschärfen. Deswegen brauchen wir verlässliche Strukturen, die eine ausreichende Pflegerische Versorgung sicherstellen.

Wie diese Strukturen aussehen sollten, welche fachlichen Anforderungen hieran geknüpft sind und welchen Beitrag die Wissenschaft hierzu leistet, darüber informiert und diskutiert der diesjährige Deutsche Pflegekongress 2010 im Rahmen des Hauptstadtkongresses. Als Programmpartner möchte der bpa – Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V., der bundesweit über 6.500 private Pflegeeinrichtungen vertritt, Sie herzlich vom 5. bis 7. Mai 2010 im ICC in Berlin begrüßen.

Die Politik hat mit der letzten Pflegereform versucht, den zukünftigen Herausforderungen zu begegnen. Verschiedene Aspekte dieser Reform werden beim Pflegekongress unter die Lupe genommen: Dieses betrifft u. a. die Noten für die Pflegeeinrichtungen (Pflege-Transparenzvereinbarung), die neu eingeführten Pflegestützpunkte und eine neue Definition der Pflegebedürftigkeit.

Die Pflege ist bereits gegenwärtig ein wichtiger Jobmotor, der rund 800.000 Arbeitsplätze umfasst. Sie ist Teil der Gesundheitswirtschaft mit fast so vielen Beschäftigten wie die Automobilbranche. Und der Bedarf wird allein in den nächsten 20 Jahren um weitere 450.000 neue Vollzeitstellen wachsen. Die Frage der Zukunft wird deshalb sein: Wie stellen wir sicher, dass es genügend Pflegekräfte für die stark ansteigende Anzahl an Pflegebedürftigen geben wird? Neben der Frage der Verweildauer im Beruf ist die Gewinnung neuer Auszubildender von besonderer Bedeutung. Bei der Ausbildung neuer Pflegekräfte besteht deshalb Handlungsbedarf, über den beim Deutschen Pflegekongress diskutiert werden wird.

Besonders erfreut bin ich, dass wir mit prominenter Besetzung auch über die Pflege als Wirtschaftsfaktor sprechen werden. Die 22.000 zugelassenen Pflegeeinrichtungen in Deutschland sind mittlerweile eine wichtige volkswirtschaftliche Größe geworden, deren Wertschöpfung von 25 Milliarden. Euro im Jahr 2007 auf 43 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigen wird. Wie wird diese Entwicklung weitergehen und welche Weichen müssen gestellt werden? Diskutieren Sie mit!

Bernd Meurer
Präsident des bpa – Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V.