Forum der EU-Kommission im Hauptstadtforum Gesundheitspolitik

Auch in diesem Jahr veranstaltet die Europäische Kommission im Rahmen des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit ein Forum zu aktuellen Fragen der europäischen Gesundheitspolitik. Damit will die Kommission über die europäische Dimension der Gesundheitspolitik informieren, die in vielen Bereichen die Gesundheitspolitik und die Gesundheitssysteme der Mitgliedstaaten beeinflusst.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wird der derzeit wichtige und auch hochaktuelle Themenbereich der EU-Aktivitäten zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten in Europa und Deutschland angesprochen und diskutiert. Kompetente Referentinnen und Referenten aus Politik, Verwaltung und europäischen Verbänden aus mehreren europäischen Ländern konnten auch in diesem Jahr gewonnen werden, die unmittelbar an den Beratungen und Arbeiten in diesem Bereich beteiligt sind.

In ihrer Mitteilung vom 20. Oktober 2009 hat die Europäische Kommission eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die die Mitgliedstaaten und andere Akteure bei der Verringerung der Unterschiede unterstützen sollen, die im Gesundheitsbereich in und zwischen den Ländern der EU bestehen. Trotz gestiegenen Wohlstands und allgemeiner Verbesserungen im Gesundheitswesen in der EU gibt es zwischen und in den Ländern noch immer gesundheitliche Ungleichheiten, die teilweise sogar zunehmen. Die Gründe dafür sind komplex und werden von zahlreichen Faktoren wie Einkommen, Bildung, Lebens- und Arbeitsbedingungen, gesundheitlichem Verhalten und Zugang zur Gesundheitsversorgung bestimmt. Eine mögliche Folge der derzeitigen Finanzkrise ist eine weitere Verschärfung der gesundheitlichen Ungleichheiten zum Nachteil der am stärksten durch die Rezession betroffenen Gruppen, z. B. der Arbeitslosen.

Die Initiative der Kommission umfasst Maßnahmen zur Verbesserung der Kenntnisse in diesem Bereich, bessere Überwachung und Datenerhebung und zielt auf eine klarere Einschätzung dessen ab, was die EU durch politische Maßnahmen zur Bekämpfung gesundheitlicher Ungleichheiten tun und wie sie besser mit Ländern, Regionen und anderen Akteuren zusammenarbeiten kann.

Ungleichheiten im Gesundheitssektor finden sich in und zwischen allen EU Ländern. Daten von Eurostat zeigen, dass der Unterschied zwischen den EU-Ländern bei der Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt bei etwa acht Jahren für Frauen und mehr als vierzehn Jahren für Männer liegt. Die Kindersterblichkeit bewegt sich zwischen drei Fällen und mehr als zehn Fällen pro 1000 Lebendgeburten. Enorme gesundheitliche Unterschiede bestehen auch zwischen sozialen Gruppen innerhalb einzelner Mitgliedstaaten sowie innerhalb der EU. Menschen mit niedrigerem Bildungsstand, schlechterer Beschäftigungssituation oder geringerem Einkommen sterben tendenziell früher und haben eine höhere Prävalenz bei den meisten gesundheitlichen Problemen.

Viele dieser Unterschiede entstehen durch vermeidbare Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken, wie gesellschaftliche und wirtschaftliche Umstände, Qualität des Arbeitsplatzes, Umweltqualität und Angebot an Sozial- und Gesundheitsdiensten sowie gesundheitsrelevante Verhaltensweisen wie Rauchen, Trinken und Ernährung.

Eine Einführung in die Gesamtthematik und die Moderation des Forums wird von Herrn Clive Needle, Direktor des Netzwerkes EuroHealthNet in Brüssel, übernommen.

Walter Baer
Europäische Kommission, Generaldirektion
Gesundheit und Verbraucher Luxemburg