Loading

Newsletter

Auf dem Laufenden bleiben

Capitation – Konzept für effizienten Umgang mit Ressourcen des Gesundheitswesens

10.05.2017

“Jeder geheilte Patient ist ein verlorener Kunde", heißt es immer wieder in Sozialen Medien und der Blogosphäre. Diese Sichtweise verbreitet sich unaufhaltsam weiter, weil sie so logisch klingt. Denn sie hat ja vielleicht einen wahren Kern: Pharmaindustrie, Ärzte und andere Leistungserbringer werden nicht dafür bezahlt, dass Patienten geheilt werden – sondern für den Absatz von Arzneipackungen oder einzelne Leistungen – und das in der Regel unabhängig davon, ob sie sinnvoll verordnet wurden und im Einzelfall auch wirken.

In der Schweiz, den USA und Großbritannien versucht man bereits seit einiger Zeit, diesen ökonomischen Fehlanreiz zu unterbinden. Die Idee nennt sich "Capitation": Im Voraus wird Leistungserbringern für ein Jahr oder länger eine Pro-Kopf-Pauschale je Versichertem oder je Patienten bezahlt, die an eine Wartungspauschale erinnert. Der Anreiz: Je gesünder der Patient bleibt, desto mehr Gewinn verbleibt von der Pauschale. Belohnt werden also gesunde Patienten. Es gäbe beispielsweise einen starken ökonomischen Anreiz, Diabetiker möglichst gut auf Insulin einzustellen, damit es nicht zu kostenträchtigen Komplikationen und schlimmstenfalls zu Amputationen kommt.

Schon im alten China, so wird immer wieder berichtet, sei das so gewesen: Geld erhielten die Heilkundigen fernöstlicher Medizin, die bis heute für viele Menschen als Vorbild an Weisheit und ganzheitlicher Orientierung gelten, nur für jene Patienten, die gesund geblieben waren. Wird nun auch fernöstliche Vergütung zum Maßstab?

In der Schweiz haben Studien belegt, dass Capitation einen effizienteren Umgang mit den Ressourcen des Gesundheitswesens zur Folge hat. Es liegt in der Natur der Sache, dass es auch einen Anreiz zur verbesserten Zusammenarbeit der Akteure gibt und Integrierte Versorgung gefördert wird. Capitation könnte daher auch einen Beitrag zur Überwindung der sektoralen Spaltung des deutschen Gesundheitssystems leisten. Und auch Pharma- und Medtechindustrie könnten in Systempartnerschaften einbezogen werden.

Das spannende Thema "Capitation: Gehört die Zukunft im Gesundheitswesen den Systempartnerschaften?" diskutieren unter der gemeinsamen Moderation von Prof. Dr. Axel Mühlbacher, Leiter des Instituts Gesundheitsökonomie und Medizinmanagement Hochschule Neubrandenburg, und Jessica Hanneken, Hauptstadtrepräsentanz der apoBank: Prof. Roger Jaeckel, Hochschule Neu-Ulm, Market Access Director D.A.CH der Baxter Deutschland GmbH, Dr. Torsten Kühn, Geschäftsführer der ContraCare GmbH, Bernd Laudahn, Geschäftsführer der Philips GmbH Market DACH, und Stefan Oelrich, Senior Vice President Head Diabetes Franchise von Sanofi.