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Rückblick 2015

Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2015

Hauptstadtkongress wächst erneut - Bundespolitik forciert Digitalisierung im Gesundheitswesen

Nach drei Tagen ist heute in Berlin der Hauptstadtkongress für Medizin und Gesundheit zu Ende gegangen. Die zum achtzehnten Mal abgehaltene jährliche Leitveranstaltung der Gesundheitsbranche konnte die Teilnehmerzahl erneut leicht steigern: 8.150 Gesundheitspolitiker, Vertreter aus Pflege und Medizin sowie Manager aus Kliniken, Gesundheitsunternehmen und Verbänden trafen im Berliner CityCube zusammen, um in rund 180 Einzelveranstaltungen aktuelle und künftige Entwicklungen im Gesundheitswesen zu diskutieren.

Thematischer Schwerpunkt war vor allem die Digitalisierung in der Medizin. Bereits in der Eröffnungsveranstaltung hatte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe an alle Beteiligten im Gesundheitswesen appelliert bei der Umsetzung von eHealth-Projekten “Dampf zu machen”. Mit deutlichen Worten hatte der Minister die lange Geschichte der Gesundheitskarte kritisiert und damit die Notwendigkeit des kürzlich vom Kabinett beschlossenen eHealth-Gesetzes begründet. Industrie, Leistungserbringer und Selbstverwaltung seien aufgefordert, über die vom Gesetz auf der Gesundheitskarte vorgesehen Medikationspläne und Notfalldaten für Patienten baldmöglichst weitere Anwendungen zu entwickeln. “Wir werden sehr aufmerksam begleiten, ob weitere hinzukommen”, so der Minister.

Zudem mahnte Gröhe an, dass der bereits um ein Jahr verschobene Testbetrieb eines neuartigen Telematik-Netzes zwischen rund 1.000 Arztpraxen, Krankenkassen, Apotheken und Krankenhäusern nun wie zugesagt im November beginnen müsse.

Regierungsvertreter deuteten auf dem Hauptstadtkongress darüber hinaus an, dass im weiteren Gesetzgebungsverfahren das eHealth-Gesetz um zusätzliche Regelungen ergänzt werden könnte. Dr. Katja Leikert, MdB, Berichterstatterin der CDU-CSU-Bundestagsfraktion für Telematik, sprach sogar davon, dass ein zweites eHealth-Gesetz notwendig sein könnte.

Die Digitalisierung, bei der Deutschland gegenüber anderen Industrienationen in Rückstand zu geraten droht, werde also mit Sicherheit Thema auch künftiger Hauptstadtkongresse sein, prognostiziert der Kongresspräsident des Hauptstadtkongresses, der ehemalige Berliner Gesundheitssenator Ulf Fink.

Im Rahmen einer Veranstaltung des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik stellte Staatssekretär Lutz Stroppe aus dem Bundesgesundheitsministerium in Aussicht, dass es Änderungen am seit 2011 geltenden Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes geben könnte: „In einigen Bereichen sind Änderungen denkbar“, sagte Stroppe. Es sei zu prüfen, wie die europäische und die deutsche Zulassungsbehörde bei der Nutzenbewertung künftig einbezogen werden könnten.

Der auf dem Managementkongress Krankenhaus, Klinik, Rehabilitation vorgestellte Krankenhaus Rating Report 2015 konstatierte, dass sich das Insolvenzrisiko unter den rund 2.000 deutschen Krankenhäusern gegenüber dem Report aus dem Vorjahr noch einmal erhöht habe. Jeder sechsten Klinik in Deutschland droht jetzt das finanzielle Aus. Bei den Krankenhäusern in öffentlicher Trägerschaft aus den alten Bundesländern ist es sogar gut jedes Dritte. Die Autoren des Reports vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung schlagen zur geordneten Abwicklung überschuldeter Kliniken die Einrichtung einer “Bad Bank” vor. Auf großes Interesse von Kongresspublikum und Medien stieß in diesem Zusammenhang auch eine Veranstaltung, die - angesichts wachsender Besorgnis in der Öffentlichkeit vor der Krankenhausschließungen - provokant fragte: “Notwendige Daseinsvorsorge oder teure Sozialromantik: Brauchen wir öffentliche Krankenhäuser?”

Vertreter einer Reihe von maßgeblichen Gremien und Verbänden der stationären und ambulanten Pflege beklagten in einer gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Pflegekongresses vor der Presse, dass Kostendämpfung und Ökonomisierung mittlerweile zu unhaltbaren Zuständen in der Pflege geführt hätten. So würden teilweise obligatorische pflegerische Aufgaben gegenüber den Patienten nicht mehr in vollem Umfang erfüllt. Deutschland zähle in Bezug auf die Pflege nunmehr nachweisbar zu den Problemländern Europas. Prof. Dr. Eckhard Nagel, Mitglied im Deutschen Ethikrat, erklärte dazu, dass der Ethikrat sich des Problems kürzlich angenommen habe und derzeit an Empfehlungen für die Bundesregierung zum Pflegemangel arbeite.

Der erstmals im Rahmen des Hauptstadtkongresses zusammen mit dem Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands veranstaltete Fachärztetag fand starken Zuspruch.

Besonders hohe Teilnehmerzahlen hatten vor allem auch Veranstaltungen zu gesundheitspolitischen Themen, zur Zukunft der Krankenhäuser und Gesundheitsberufe, insbesondere aus dem Bereich Pflege, wo es häufig um Personalentwicklung, Karriere, Ausbildung, die Reform und der Akademisierung des Pflegeberufs ging.

Kongresspräsident Ulf Fink zeigte sich erfreut über das abermals gewachsene Interesse: “Der Hauptstadtkongress hat für drei Tage die Entscheider aus allen Bereichen des Gesundheitswesens zusammengeholt. Er hat sich erneut als bedeutendster deutscher Kongress in Fragen der Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft bestätigt.”

Der nächste Hauptstadtkongress findet vom 8. bis 10. Juni 2016 statt.