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Wird Deutschland zum Digitalisierungsgewinner? - Rürup über Industrie 4.0

20.04.2016

Der Ökonom und frühere Regierungsberater Bert Rürup befürchtet eine weitere Verschärfung der Finanzierungskrise des deutschen Sozialversicherungssystems durch die Digitalisierung: Vieles spricht dafür, dass es im Zeitalter der Industrie 4.0 zu einem Rückgang des Anteils der sozialversicherungspflichtigen Löhne am Volkseinkommen kommen wird. Wenn sich der Niedriglohnsektor weiter ausbreitet, wenn dauerhafte Arbeitsverhältnisse weiterhin seltener werden und wenn internetbasiertes Arbeiten zunehmend zum Schlupfloch in der Sozialversicherung wird, dann drohe die größtenteils auf Arbeitnehmereinkommen beruhende Finanzierungsbasis der GKV noch weiter zu erodieren. Rürup bringt deshalb die Idee einer Wertschöpfungsabgabe in die Debatte ein – die Möglichkeit, die Arbeitgeberanteile nicht wie bisher an der sozialversicherungspflichtigen Lohnsumme, sondern an der gesamten, zunehmend kapitalintensiv erzeugten Wertschöpfung zu bemessen. Ob Deutschland zum „Digitalisierungsgewinner“ werden kann, hänge davon ab, ob es der Politik gelinge, eine zeitliche und räumliche Flexibilisierung von Erwerbsarbeit und die Ausbreitung neuer Erwerbsformen zu ermöglichen, so Rürup.

Prof. Dr. Dr. h. c. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute, wird seine Thesen auf dem Hauptstadtkongress im Juni in Berlin unter dem Titel „Industrie 4.0 und die Zukunft des Gesundheitswesens“ vorstellen und anschließend mit Prof. Dr. Dr. Karl W. Lauterbach, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, darüber diskutieren. Moderiert wird der Ideenstreit von Prof. Dr. Johann-Matthias Graf von der Schulenburg, Ordinarius für BWL an der Leibniz Universität Hannover und Sprecher des Center for Health Economics Research Hannover.

Das Thema Finanzierung des Gesundheitswesens ist Gegenstand einer weiteren großen Diskussionsveranstaltung auf dem Hauptstadtkongress: Unter dem Titel „Die Bundestagsrunde: Die Zukunft der Finanzierung des Gesundheitswesens“ diskutieren die gesundheitspolitischen Sprecherinnen der Bundestagsfraktionen Maria Klein-Schmeink, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Hilde Mattheis, SPD-Fraktion, und Maria Michalk, CDU/CSU-Fraktion, mit Dr. Karsten Neumann vom  IGES Institut.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Gesundheitswirtschaft und Politik die jährliche Leitveranstaltung der Branche. Der 18. Hauptstadtkongress findet vom 10. bis 12. Juni 2015 im CityCube Berlin statt.