Loading

Newsletter

Auf dem Laufenden bleiben

Abwärtsspirale: Fachkräftelücke im Gesundheitssektor immer größer

03.04.2019

Im Bundesdurchschnitt bleibt ein Arbeitsplatz für einen Facharzt für Innere Medizin 170 Tage unbesetzt, fast ein halbes Jahr. Bis eine Apotheker- oder Pharmazeutenstelle besetzt werden kann, dauert es 140 Tage. Bei Physiotherapeuten sind es 133 Tage. Und auf eine Führungskraft in der Pflege warten Arbeitgeber bei einer Vakanz immerhin noch 80 Tage. Aber das sind Durchschnittswerte, in manchen Regionen ist die Lage noch viel dramatischer. Und für Pflegefachkräfte sind solche Zahlen nicht bekannt, fest steht nur, dass Arbeitgeber händeringend Mitarbeiter suchen: Im Jahresdurchschnitt sind rund 40.000 Stellen in der Alten- und der Krankenpflege unbesetzt.

Die Bundesagentur für Arbeit und die Bildungseinrichtungen, die sich angesichts des seit Jahren zunehmenden Fachkräftemangels bemühen, mehr Absolventen auf den Arbeitsmarkt zu bekommen, kämpfen gegen Windmühlen: Weil der demografische Wandel steigende Nachfrage erzeugt, steigt die Arbeitsbelastung in Gesundheitsberufen ständig an. Hinzu kommt: Immer mehr Arbeitnehmer arbeiten in Teilzeit, so dass sich der Fachkräftemangel deutlich weiter verschärft. In der Altenpflege etwa sind das 72 Prozent aller Mitarbeiter.

Insbesondere in der Pflege bleibt es aber nicht beim Problem der Teilzeitarbeit, sondern Beschäftigte geben oftmals ihren Beruf komplett auf. Unter dem Hashtag #Pflexit gibt es darüber sogar eine breite Debatte der Betroffenen in Sozialen Medien.

Die Arbeitgeber suchen seit Jahren vermehrt im Ausland neue Mitarbeiter. Allein in den letzten vier Jahren hat die Zahl der im Zuge der europäischen Freizügigkeit in Deutschland beschäftigten Pflegekräfte um 27.000 auf 68.000 erhöht, darunter 37.000 Krankenpflege- und 31.000 Altenpflegekräfte. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärzte ist der Statistik zufolge allein in 2018 um rund 3.500 auf ca. 50.000 gestiegen. Doch die Ressourcen im Ausland sind ebenfalls begrenzt: Seit Rumäniens EU-Beitritt im Jahr 2007 haben 14.000 Ärzte das Land verlassen. Die Zahl der abgewanderten Pflegekräfte beziffern Gewerkschaften auf zwei bis drei Mal so viel. Dem rumänischen Gesundheitssystem droht mittlerweile der Kollaps.

Das Thema „Die Fachkräftelücke: Wo sind Lösungen?“ diskutieren: Markus Biercher, Bundesagentur für Arbeit,Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Holzgreve, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Bonn,Prof. Dr. Thomas Klie, Evangelische Hochschule Freiburg, und Vera Lux, Pflegedirektorin und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Köln.

Auch der Deutsche Pflegekongress befasst sich schwerpunktmäßig mit dem Thema, und zwar in folgenden Veranstaltungen:

Fachkräftemangel und Leasingspirale – wie teuer wird es für die Kliniken, und wie (er)halten wir die Qualität?

Ambulante Pflegeversorgungsengpässe – Lösung in Sicht?

Pflegepersonaluntergrenzen und Pflegepersonalstärkungsgesetz – erste Erfahrungen im Klinikbereich

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Gesundheitswirtschaft und Politik die jährliche Leitveranstaltung der Branche. Der 22. Hauptstadtkongress findet vom 21. bis 23. Mai 2019 im CityCube Berlin statt.