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Die Zukunft der Medizin: Mit Licht besser hören

25.04.2019

„Cyborgs“ werden Realität. Wie weit sich die medizinische Forschung der Science-Fiction derzeit annähert, zeigt ein Projekt der Uni Göttingen. Hintergrund: In bestimmten Fällen ermöglichen es Cochlea-Implantate gehörlosen Menschen, wieder zu hören. Die Hightech nimmt Schallwellen mit einem Mikrofon auf, übersetzt sie in elektrische Signale und gibt diese an die Hörnerven weiter. Doch der elektrische Strom lässt sich kaum gezielt steuern und erreicht mehr Nervengewebe als er soll. Folge: Das Hören bleibt sehr verschwommen. Bisher.

Doch Neurowissenschaftler Tobias Moser forscht jetzt, einstweilen noch in Tierversuchen, an einem bahnbrechenden Verfahren. Es funktioniert mit Licht und ist qualitativ mit dem technologischen Sprung der Telefonie vom Kupfer- zum Glasfaserkabel vergleichbar: Mit gentechnisch veränderten Viren werden Gene in die Nervenzellen eingeschleust. Die Nervenzellen werden daraufhin lichtempfindlich. Statt mit elektrischem Strom kann ein Cochlea-Implantat nun mit Licht viel kleinere Areale von Nervenzellen ansprechen. Unterschiedliche Lichtfrequenzen können dabei unterschiedliche Signale auslösen. Die höhere Genauigkeit führt zu deutlich besserem Hören.

Die Optogenetik, mit der Nervenzellen nach gentechnischer Behandlung durch Licht angesprochen werden können, steht erst am Anfang. Im Tierversuch hat man schon mittels über Glasfaser ins Gehirn gesandten Lichtimpulsen das Verhalten von Versuchstieren gesteuert. Theoretisch kann mit der Technologie jede einzelne Nervenzelle individuell angeregt oder auch ruhiggestellt werden. Von der Optogenetik erhoffen sich Mediziner mögliche Hilfe bei bestimmten Formen der Erblindung und Nervenerkrankungen wie Parkinson.

Auch die Neuroprothetik, also das Anschließen von Prothesen an Nerven oder Gehirn, gilt als medizinische Zukunftsdisziplin. So arbeiten Wissenschaftler beispielsweise an der Steuerung von künstlichen Gliedmaßen allein durch Gedanken des Prothesenträgers.

In der Kongresssession „Die Zukunft der Medizin“ des zusammen mit dem Hauptstadtkongress stattfindenden Deutschen Ärzteforums stellt Prof. Dr. Tobias Moser seine Arbeiten in der Neuroprothetik vor. Er wird befragt von Prof. Dr. Konrad Meissner, dem Direktor der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen.