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Elektronische Patientenakte wird Realität

16.04.2019

Für die Mehrheit deutscher Patienten wird eine elektronische Patientenakte (ePA) binnen Kürze Realität: Zehn Millionen Versicherte der Techniker Krankenkasse können seit letztem Jahr „TK-Safe“ nutzen. Seit letztem Herbst gibt es „Vivy“, eine elektronische Gesundheitsakte mit App, für derzeit knapp 18 Millionen Versicherte von DAK, IKK, einer Reihe von Betriebskrankenkassen sowie drei großen PKV-Anbietern. Die vernetzte Gesundheits- und Versorgungsakte der AOK Nordost läuft derzeit in den Regionen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin. Die bundesweite Erweiterung des Digitalen Gesundheitsnetzwerks für die über 26 Millionen Versicherten der AOK-Gemeinschaft soll bereits im nächsten Jahr zur Verfügung stehen.

Die Vorteile sind, das ist seit langem klar, enorm: Diagnosedaten stehen bei Bedarf sofort zur Verfügung, Doppeluntersuchungen können entfallen, Notfalldaten retten Menschenleben, Arztbriefe und Medikationspläne können digital übertragen und ausgewertet werden, sektorübergreifendes Entlassmanagement wird einfacher und sicherer – und vieles mehr. Deshalb schreibt der Gesetzgeber nach fünfzehn Jahren Stillstand bei der elektronischen Gesundheitskarte und Milliardenverlusten für den Steuerzahler nun die ePA-Einführung durch die Kassen bis 2021 vor.

Die Eile ist auch deshalb geboten, weil Amazon, Google und Apple eigene Projekte betreiben, mit denen deutsche Patienten ihre Gesundheitsdaten speichern könnten. Die nunmehr so zügige Einführung digitaler Gesundheitsakten durch die Krankenkassen birgt aber auch Sprengstoff: Die mit der elektronischen Gesundheitskarte gescheiterte gematik GmbH und die KBV wurden vom Gesetzgeber beauftragt, semantische und technische Standards festzusetzen, nach denen Daten gespeichert werden. Denn anderenfalls können Patienten ihre Daten bei einem Wechsel zwischen Kassen mit verschiedenen Systemen nicht einfach mitnehmen. Auch das Speichern von Daten in der Arztpraxis oder im Krankenhaus wäre ohne eine sogenannte „Interoperabilität“ der Systeme kompliziert.

Zwei Veranstaltungen beschäftigen sich beim Hauptstadtkongress mit dem Thema: „Elektronische Patientenakte – Wunschdenken oder gelebte Realität?“, mit Dr. Gottfried Ludewig, dem für Digitalisierung zuständigen Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Andrea Grebe, Vivantes GmbH, Dr. Nils Hellrung, vitagroup AG, Christian Korff, Cisco Deutschland GmbH, Dr. Thomas Kriedel, Kassenärztliche Bundesvereinigung, und Frank Michalak, AOK Berlin.

Des weiteren diskutieren im Rahmen des Deutschen Ärzteforums bei „Der Patient im Zentrum der elektronischen Patientenakte“ Christian Rebernik, Vivy GmbH, Patricia Geller, Limbach Gruppe, Dr. Sang-Il Kim, Schweizerische Post AG, Prof. Dr. Jens Scholz, UK Schleswig-Holstein, sowie Dr. Reinhard Thoma, Algesiologikum MVZ GmbH.