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Dr. Ursula von der Leyen plädiert für eine europäische Gesundheitsunion

17.06.2021

„Es darf nicht noch einmal geschehen, dass eine Pandemie die ganze Welt weitgehend unvorbereitet trifft“, sagte die EU-Kommissionspräsidentin Dr. Ursula von der Leyen in ihrem Video-Grußwort bei der Eröffnung des diesjährigen Hauptstadtkongresses. Es folgte ein leidenschaftliches Plädoyer für eine europäische Gesundheitsunion.

Sie verteidigte etwa die Entscheidung, die Impfstoffe auf der europäischen Ebene zu beschaffen. „Denn ich will mir gar nicht ausmalen, was es bedeutet hätte, wenn sich einige große Mitgliedsstaaten ihre Impfstoffe gesichert hätten, während der Rest, all die kleinen und mittleren Mitgliedsstaaten leer ausgegangen wären, sagte sie. Das hätte die europäische Einheit zerrissen.

Die EU-Kommissionspräsidentin räumte zwar Anfangsschwierigkeiten ein. So habe es Zweifel gegeben, dass eine Gemeinschaft aus 27 Mitgliedsstaaten zu langsam sein könnte, um die Krise in den Griff zu bekommen. Inzwischen sei die europäische Impfkampagne ein voller Erfolg. Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die EU außerdem fair gewesen und habe fast so viele Impfstoffdosen für den Export „in den Rest der Welt genehmigt“, wie es für die Bürger der Mitgliedstaaten reserviert habe.

In dieser Einschätzung wurde von der Leyen vom Kanzleramtsminister Prof. Dr. Helge Braun unterstützt. Ein Alleingang Deutschlands in der Impfstoffbeschaffung hätte einen „schweren Schaden“ angerichtet, sagte er in seiner Rede vor dem Hauptstadtkongress-Publikum.

Als eines der zentralen Themen für die Zeit nach der Corona-Pandemie nannte Braun die Frage, wie man mit Wissenschaftskommunikation umgeht. Denn der Diskurs sei ein elementarer Teil der Wissenschaft. Weitere Themen seien die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und die Sicherstellung der Wertschöpfungsketten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bedankte sich in seiner Video-Botschaft bei den Beschäftigten des Gesundheitswesens für ihre Arbeit während der Corona-Pandemie. Er unterstrich außerdem die Bedeutung der Digitalisierung für die medizinische Versorgung. Ein Beispiel sei die Videosprechstunde. „Inzwischen sind offenbar auch Skeptiker von ihrem Nutzen überzeugt“, sagte er. Die Möglichkeiten digital unterstützter Versorgung wie das e-Rezept oder die, elektronische Patientenakte digitale Gesundheits- und Pflegeanwendungen sollen in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Sie sollen ein „selbstverständlicher Teil der Versorgung in den 20er Jahren und darüber hinaus werden“, so Spahn.

„Deutschland hat das beste Gesundheitssystem der Welt“, ist Kongresspräsident Prof. Dr. Karl Max Einhäupl überzeugt: Die Corona-Pandemie habe gezeigt, dass dieses System extrem stabil ist. Er zeigte sich allerdings besorgt angesichts der Beobachtung, dass zunehmend soziale Diskohärenzen auftreten. Diese würden mittlerweile bis in die Mitte der Gesellschaft reichen. „Krisen kommen wieder, egal welcher Art“, sagte Einhäupl. Dabei sei es allerdings entscheidend, wie man als Gesellschaft mit diesen Krisen kohärent umgehen kann. „Wer, wenn nicht wir – ein Diskursforum von Politik, Wissenschaft, Akteuren aus dem Gesundheitswesen und der Gesundheitswirtschaft – können und müssen einen Beitrag zur Lösung der Probleme leisten."