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Krankenhaus Rating Report 2019: RWI für regionale Capitationmodelle statt Fallpauschalen

03.05.2019

Rund 155.000 Euro kostet es die Beitragszahler der deutschen Krankenkassen, wenn ein einziges Krankenhausbett abgebaut oder im Rahmen einer Umstrukturierung von Krankenhäusern an eine sinnvollere Stelle verschoben wird. Um mittels des Krankenhausstrukturfonds in seiner aktuellen Form eine adäquate Marktbereinigung im Bettenangebot deutscher Kliniken zu erzielen, müsste dieser etwa die zehnfachen Mittel zur Verfügung haben: Statt einer wären elf Milliarden Euro nötig. Dies ist eine der zentralen Aussagen des Krankenhaus Rating Reports 2019, der im Mai auf dem Hauptstadtkongress der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
 
Die Autoren des jährlich vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institute for Health Care Business in Kooperation mit Deloitte erstellten Reports plädieren deshalb für eine Umgestaltung des Krankenhausstrukturfonds: Die Einführung eines Wettbewerbsverfahrens soll eine effizientere Allokation der Finanzmittel ermöglichen. Außerdem sei es ordnungspolitisch richtiger, Steuermittel einzusetzen statt Mittel aus dem Gesundheitsfonds, so die Autoren.
 
Um die im internationalen Vergleich hohe Betten- und Krankenhauszahl abbauen zu können, müsste vor allem der in anderen Ländern viel weiter fortgeschrittene Trend zur „Ambulantisierung“ intensiver vorangetrieben werden, fordert der Krankenhaus Rating Report weiter. Dazu müssten die sektoral organisierten Vergütungssysteme das aber honorieren. Die Wissenschaftler schlagen deshalb vor, das System der Fallpauschalen mittelfristig durch „regionale Capitationmodelle“ abzulösen. Als Capitation werden Vergütungsmodelle bezeichnet, bei denen medizinische Leistungserbringer einen fixen Betrag je Versichertem erhalten, egal wie oft der behandelt werden muss. Daraus folgt der Anreiz, jeden Patienten möglichst so gut zu behandeln wie möglich – da Gesunde am profitabelsten sind. Der Krankenhaus Rating Report schlägt deshalb vor, dass für einzelne Regionen Deutschlands morbiditätsorientierte Budgets festgelegt werden. Die Leistungserbringer der Region sollen dann eigenständig darüber entscheiden, wie sie das Budget einsetzen und wie sie die Versorgung gestalten – insbesondere, ob stationär oder ambulant.
 
Wie in jedem Jahr untersucht auch der Krankenhaus Rating Report 2019 rund 500 Jahresabschlüsse von etwa 900 Krankenhäusern und ermittelt deren finanzwirtschaftliche Situation. Davon ausgehend analysieren die Autoren die Ursachen und Trends im Krankenhausmarkt und machen Vorschläge an die Gesundheitspolitik. Ein besonderer Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf der Auswertung des ambulanten Geschehens deutscher Kliniken.
 
Vorgestellt wird der Krankenhaus Rating Report 2019 auf dem Hauptstadtkongress mit der Session „Krankenhaus Rating Report 2019 - Das Ende des Wachstums?“. Es diskutieren: Prof. Dr. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Dr. Sebastian Krolop, Chair des HIMSS Board of Directors, Dr. Francesco De Meo, Vorsitzender der Geschäftsführung der Helios Health GmbH und Vorstandsmitglied der Fresenius SE, und Dr. Mani Rafii, Mitglied des Vorstands der Barmer.