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Patientenzentrierung vs. Effizienz: Kein Dilemma

20.05.2019

Ein Beitrag von Prof. Dr. Udo Janßen, Partner von KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Bereich Health Care. Das Thema Patientenzentrierung ist nicht neu. Patientenzentrierung bedeutet, dass der Prozess sich nicht um die Gesundheitseinrichtung dreht, sondern um den Patienten. In der Arzt-Patientenbeziehung heißt das: Der Arzt trifft nicht mehr länger alleine Entscheidungen. Patienten sind jetzt die Schlüsselfigur in […]

Prof. Dr. Udo Janßen, Partner von KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Bereich Health Care

Ein Beitrag von Prof. Dr. Udo Janßen, Partner von KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Bereich Health Care.

Das Thema Patientenzentrierung ist nicht neu. Patientenzentrierung bedeutet, dass der Prozess sich nicht um die Gesundheitseinrichtung dreht, sondern um den Patienten. In der Arzt-Patientenbeziehung heißt das: Der Arzt trifft nicht mehr länger alleine Entscheidungen. Patienten sind jetzt die Schlüsselfigur in der Versorgung, sie fordern einen aktiven Einbezug und ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe.

Leider ist Patientenzentrierung nicht selbstverständlich. Es geht nicht darum, dass die Einrichtungen sich nicht gut um die Patienten kümmern. Es geht vielmehr darum, dass die gesamte Organisation unseres Gesundheitswesens der Patientenzentrierung nicht unbedingt zuträglich ist. Wir haben ein sektoral gegliedertes Gesundheitswesen. Da gibt es Hausärzte, niedergelassene Ärzte, Fachärzte, MVZ, stationäre Einrichtungen, Rehaeinrichtungen, Therapeuten, u.n.v.m. Alles sind in sich abgeschlossene Sektoren mit ihren eigenen Strukturen. Jetzt wird es schwierig – und zwar genau dann, wenn der Patient zwischen den Sektoren hin- und her wechselt.

Aber wie löst man nun dieses strukturelle Problem? Wie kommt man zu einer besseren Patientenzentrierung und somit auch zu einer besseren Zufriedenheit? Hier ist nicht zu vergessen: Es geht bei der Patientenzentrierung natürlich um eine auf den Patienten gerichtete, bessere Versorgung bzw. Behandlung. Aber es geht eben auch um eine effizientere Nutzung von Ressourcen, eine patientenorientierte Verwendung der vorhandenen Mittel.
Eine Koordination um den Patienten herum wäre ein guter erster Ansatz. Dazu müssen ganze Prozesse und Patientenwege neu durchdacht werden. Dafür gibt es aktuell sehr interessante und teils schon angewandte Methoden: Design Thinking, Patient-Journey Maps, Wearables am Körper des Patienten. Um nur einige zu nennen.

Natürlich muss das Thema der Interoperabilität zwischen den Systemen der Leistungserbringer angegangen werden. Noch besser wäre: Verschiedenste Leistungserbringer finden zusammen, arbeiten zusammen. Es gibt erste sektorenübergreifende Campusstrukturen in der Versorgung, die wunderbar funktionieren. Sogar ganze Dörfer verschreiben sich mittlerweile einer zusammenhängenden, übergreifenden Versorgung.

Klar ist: Eine neue Generation von Patienten wächst heran. Digital vernetzt, informiert, unkonventionell und selbstbewusst. Darauf muss sich das gesamte Gesundheitswesen, inklusive der Politik, schnell einstellen.

Hören Sie mehr dazu auf dem Hauptstadtkongress am 21. Mai in der Session „Kerngeschäft ist der Patient“ (16:30 bis 18:00 Uhr).