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Schlechte Qualität kann lebensbedrohlich sein: Mindestmengen oder Gelegenheitschirurgie

15.05.2019

Ein Fünftel der deutschen Brustkrebspatientinnen wird laut dem Qualitätsmonitor 2018 in Krankenhäusern behandelt, die durchschnittlich nur alle zwei Wochen eine solche Operation durchführen. In diesen Kliniken lag das Risiko, infolge einer solchen OP zu sterben, um 59 Prozent höher als in jenen siebzig Kliniken, die mit den höchsten Fallzahlen an Brustkrebs-OPs aufwarten können und mithin die meiste Erfahrung haben. Ähnlich ist es bei Lungenkrebs: Ein Fünftel der Operationen findet in Kliniken statt, die nur fünf solcher OPs pro Jahr durchführen. Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert als Voraussetzung für die Zertifizierung von Lungenkrebszentren eine Mindestzahl von 75 OPs pro Jahr.

Die seit 15 Jahren bestehenden Mindestmengenregelungen für vom Gemeinsamen Bundeausschuss festgelegte „bestimmte planbare Leistungen“ haben bisher wenig Wirkung auf die Struktur der Krankenhauslandschaft gehabt. So zeigte etwa der Krankenhaus-Report 2017 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf, dass in vielen Kliniken Deutschlands bestehende Mindestmengenvorgaben nicht eingehalten werden. Statt Mindestmengen standen, wie Experten vermuten, andere Aspekte im Vordergrund: zum einen die Auslastung und der Erhalt von Fachabteilungen und zum anderen der Anreiz eines komplexen Leistungsspektrums zur leichteren Gewinnung von Ärzten als Klinikmitarbeiter.

Es würden unnötig Menschenleben aufs Spiel gesetzt, ist beispielsweise vom AOK-Bundesverband zu hören, der sich besonders stark für eine entschiedene Umsetzung von Mindestfallzahlen einsetzt. Es gebe „Gelegenheitschirurgie“ bei Krebs-Indikationen.

Demgegenüber hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Wirksamkeit von Mindestmengenregelungen in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Es sei nicht nachvollziehbar, dass man bei 50 Fällen operieren dürfe, bei 49 aber nicht. Auch sei die Erfahrung des Chirurgen viel wichtiger als die reine Anzahl der OPs in einer Klinik.

Im März hat die DKG einen Schwenk in ihrer bisherigen Haltung angekündigt und einen „Pakt für eine bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ vorgeschlagen: „Wir wissen, dass die Krankenhauslandschaft nicht ideal ist“, räumte DKG-Präsident Gaß öffentlich ein. Die DKG wolle sich in der Diskussion um eine Veränderung der Krankenhausstruktur – inklusive Schließungen und Standortzusammenführungen – zukünftig konstruktiv einbringen. Man habe beschlossen, an einem Veränderungsprozess aktiv mitzuwirken. Die DKG verbindet ihr Angebot allerdings mit politischen Forderungen: Grundvoraussetzung sei eine spürbare Ausweitung der bisherigen Investitionsfinanzierung. Außerdem müsse das Fallpauschalensystem weiterentwickelt werden, zum Beispiel durch eine Kombination der Vergütung von Behandlungs- und Vorhaltekosten.

Unter dem Titel „Qualität: Warum kommen wir hier so langsam voran? Wie geht es weiter mit den Mindestmengen?“ diskutieren das Thema auf dem Hauptstadtkongress: Dr. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG), Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Geschäftsführer des Landeskrankenhauses in Andernach, Dr. Jürgen Malzahn, Leiter der Abteilung Stationäre Versorgung und Rehabilitation des AOK-Bundesverbandes, und Prof. Dr. Elisabeth Pott, Unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses.