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Traumjob Arzt? – nur mit Work-Life-Balance!

17.12.2018

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) arbeiten selbstständige Ärzte im Schnitt mehr als 50 Wochenstunden. Ein Drittel der angestellten Krankenhausärzte an hessischen Unikliniken arbeiten laut einer Umfrage des Marburger Bundes mehr als 60 Stunden in der Woche –mehr als gesetzlich zulässig. Kein Wunder, dass eine weitere Umfrage des Hartmannbundes ergab, dass 52 Prozent der befragten Assistenzärzte von ihrem Arbeitgeber schon einmal aufgefordert worden waren, Überstunden nicht zu dokumentieren.

Vier von fünf Krankenhausärzten sagen, dass Arbeitszeiten zu Schlafstörungen oder häufiger Müdigkeit führe. Zwei von drei Befragten geben an, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unzufrieden oder sehr unzufrieden zu sein.

Angesichts der Arbeitsbelastung verändern sich die Präferenzen innerhalb der Ärzteschaft: Waren 2005 noch nur 26 Prozent der Krankenhausärzte teilzeitbeschäftigt, war der Wert zehn Jahre später bereits auf 34 Prozent angestiegen. Auch der Anteil der angestellten Ärzte im ambulanten Bereich stieg Innerhalb von zehn Jahren erheblich und zwar von knapp 8.500 auf über 22.300.

Der Gesetzgeber hat im Jahr 2007 mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz vielfältige Möglichkeiten geschaffen, die Ärzten die Möglichkeit zu flexibleren Karriereplanung geben – etwa durch Anstellung in Medizinischen Versorgungszentren oder durch die Möglichkeit, in der eigenen Praxis selbst ärztliche Kollegen anzustellen. Die gestiegene Durchlässigkeit zwischen Anstellung und Praxisniederlassung zeigt jetzt Auswirkungen auf die gesamte Versorgung – und konterkarieren die Bemühungen des Gesetzgebers, mehr Ärzte auszubilden.

Während sich 2015 die Gesamtzahl der Vertragsärzte zwar um 1,4 Prozent erhöhte, kam es laut KBV trotzdem nur zu einer Erhöhung der insgesamt geleisteten Arztstunden von 0,2 Prozent – weil es gleichzeitig ein kräftiges Plus an Teilzeitverträgen gab. Ein Klinikdirektor beklagte im Hinblick auf veränderte Vorstellungen der jüngsten Ärztegenration sogar: „Wenn ich heute zwei Leute einstelle, sind sie so verfügbar wie einer!“

Zwei Veranstaltungen beschäftigen sich beim Deutschen Ärzteforum, das im Rahmen des Hauptstadtkongresses stattfindet, mit diesem Thema: „Angestellte Ärzte in der ambulanten Versorgung: Traumjob oder Ausbeutung? unter anderem mit demVorstandsvorsitzenden der KBV, Dr. Andreas Gassen, und „Selbstständig oder angestellt? Längst keine Lebensentscheidung mehr – Die Antwort auf eine junge und flexible Ärzte-Generation“.

Das Deutsche Ärzteforum, das im Rahmen des Hauptstadtkongresses stattfindet, beleuchtet Gegenwart und Zukunft des Arztberufes in der Funktion als Heiler, Manager und Berater. Aktuelle medizinische Fachthemen, berufspolitische Debatten und Trends, Fortbildung und interprofessioneller Austausch stehen im Fokus. Ärzte haben vielfältige Möglichkeiten, um mit Kollegen ins Gespräch zu kommen und ihr eigenes Netzwerk auszubauen.