3 FRAGEN AN
Vera Lux
Wissenschaftlicher Leiterin Pflegemanagementkongress
„Es braucht mehr Pflegeorientierung, weniger Arztzentrierung“
Worauf werden Sie beim PMK 2026 inhaltliche Schwerpunkte legen und welche Themen werden die Debatte prägen?
Die Reformen in der Gesundheits- und Pflegepolitik geraten immer wieder ins Stocken. Doch eins ist gewiss, sie werden unser Gesundheitssystem grundlegend verändern. Die Sozialsysteme sind am Anschlag! Inwieweit wir daher auch in Zukunft noch eine für alle zugängliche, bezahlbare und qualitativ hochwertige Pflege und Versorgung sicherstellen können, ist Thema beim Pflegemanagementkongress auf dem HSK 2026 in Berlin. Auch die Arbeit wird sich verändern, einerseits durch die Reformen und anderseits aufgrund der digitalen Entwicklungen. Neben den Finanzierungssystemen, der Fachkräftesicherung, der sektorenübergreifenden Versorgung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Digitalisierung rücken wir auch ethische Aspekte in den Fokus, wie z.B. der Umgang mit dem „Assistierten Suizid“.
Der Bundestag hat das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) verabschiedet, der Bundesrat hat es nun an den Vermittlungsausschuss verwiesen und damit gestoppt. Warum – und wie geht es jetzt weiter?
Die Länder begründen diese Entscheidung mit dem geplanten Aussetzen der Meistbegünstigungsklausel bei der Vergütung der Krankenhäuser für das Jahr 2026. Grund sind also nicht pflegerelevante Themen, denn diese waren ja Konsens. Bitter ist, dass die Pflege dennoch davon betroffen ist. Wir verlieren so kostbare Zeit. Es ist derzeit völlig ungewiss, wann die Implementierung in die Praxis erfolgen kann. Beim Pflegemanagementkongress auf dem HSK 2026 im Juni werden wir die neuen Entwicklungen aktuell aufgreifen.
Das Vertrauen der Menschen in das Pflegesystem ist sehr gering und droht wegzubrechen, zeigt der DAK-Pflegereport. Worauf kommt es jetzt an, und was kann auch die Pflege dazu beitragen, um Vertrauen zu stärken?
Der Zugang zu einer bedarfsgerechten und bezahlbaren Versorgung für alle in erreichbarer Entfernung muss auch in Zukunft gewährleistet sein. Pflege kann dabei eine tragende beziehungsweise steuernde Rolle mit mehr Verantwortung übernehmen. Das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung ist dabei ein erster wichtiger Schritt. Wir müssen also alles dafür tun, dass das Gesetz zeitnah verabschiedet und umgesetzt wird. Auch am Image der Pflege müssen wir arbeiten und aufzeigen, welche fachliche Expertise die Pflege hat und welchen Beitrag sie für eine menschliche und bedarfsgerechte Versorgung leistet beziehungsweise leisten kann. Um den demografischen Herausforderungen zu begegnen, braucht es weniger Arztzentrierung, dafür mehr Pflegeorientierung. Die Politik setzt die Rahmenbedingungen im Gesundheits- und Pflegesystem, hier ist die Pflege gefordert, sich aktiv einzubringen, ganz nach dem Motto: Die Zukunft gestalten anstatt verwalten!
