3 FRAGEN AN
Dr. Gerald Gaß
Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG)
„Die Stimmung vor Ort schwankt zwischen Frustration und gespannter Erwartung“
Das Krankenhausreform-Anpassungsgesetz (KHAG) wurde erst kurzfristig von der Tagesordnung des Gesundheitsausschusses gestrichen, nun konnten sich Bund und Länder doch einigen. Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Knackpunkte?
Die jetzt erzielten Ergebnisse ermöglichen den Bundesländern ihre Krankenhausplanung umzusetzen und erste Transformationsprojekte zu starten. Das ist von enormer Bedeutung für die Krankenhausträger, um aktiv an der Zukunftsentwicklung ihrer Standorte zu arbeiten. Im Mittelpunkt dabei steht die Sicherung der Patientenversorgung auch während dieser anspruchsvollen Transformationsphase. Der jetzt zwischen Bund und Ländern verabredete Kompromiss ist allerdings nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einer gelingenden Transformation der Krankenhauslandschaft. Finale Entscheidungen über wichtige Elemente der Reform, wie Vorhaltefinanzierung, Standort- und Fachklinikdefinition sowie die Zukunft der Pflegefinanzierung wurden nach hinten gestellt. Um diese Themen müssen wir uns nun zeitnah kümmern und hoffentlich in einem engeren fachlichen Diskurs, als dies über weite Strecken der zurückliegenden Reformdebatte der Fall war.
Sie fordern eine Ausweitung der ambulanten Behandlungen im Krankenhaus, halten die derzeitigen Pläne aber noch für „unausgegoren“. Worauf kommt es jetzt an, damit Ambulantisierung als Reformchance gelingen kann?
Was wir aktuell erleben, ist der fast schon verzweifelte Versuch, stationäre Leistungen in die vertragsärztliche Praxis zu verschieben. Dagegen fehlt der Politik bisher der Mut, die Krankenhäuser, wie international üblich, grundsätzlich zur ambulanten Versorgung zu ermächtigen. Dabei geht es uns vor allem um die komplexen Behandlungsfälle, die bisher vollstationär versorgt werden. Es braucht finanzielle Anreize und regulatorische Bedingungen, die es für die Krankenhäuser und für die Patienten attraktiv machen, diese Behandlungsform zu wählen. Wenn dort eine positive Dynamik entsteht, lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen.
Im Jahr 2024 haben zwei Drittel der Krankenhäuser Verluste geschrieben, für 2026 rechnen nur 13 Prozent der Häuser mit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Steuert die Branche weiterhin abwärts, oder zeichnet sich langsam eine Erholung ab? Wie ist die Stimmung vor Ort?
Die relativ gute Landesbasisfallwertentwicklung im Jahr 2025 und der aktuelle Rechnungszuschlag verschaffen den Kliniken etwas Luft. Das grundsätzliche Problem bleibt aber ungelöst: Die sächlichen und personellen Anforderungen werden permanent gesteigert und verteuern damit die Behandlungsprozesse, ohne dass die Erlöse in gleichem Maß Schritt halten. Mit dem Wegfall des Rechnungszuschlags im Herbst wird es deshalb für viele Krankenhäuser sehr schwierig werden. Und allein durch den Start der Umsetzung der Krankenhausreform verbessert sich nichts für die Kliniken. Die Stimmung vor Ort schwankt zwischen Frustration und gespannter Erwartung.
