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3 FRAGEN AN
Dr. Klaus Reinhardt

Präsident der Bundesärztekammer

„Mittelfristig braucht es definierte Behandlungspfade und interprofessionelle Teamstrukturen“

Mit der Weiterentwicklung von Patientensteuerung, Primärversorgungssystem und Ambulantisierung stellen sich neue Anforderungen an die Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Welche konkreten Schritte sind jetzt dringend nötig, damit neue Strukturen zukunftsfähig etabliert und gelebt werden können?

Eine große Rolle für die sektorenübergreifende sowie interdisziplinäre Versorgung spielt die digitale Transformation. Dafür braucht es kompatible Schnittstellen und Anwendungen wie die elektronische Überweisung, mit der digitale Informationen zur Verfügung gestellt werden können. Gleichzeitig müssen die organisatorischen Schnittstellen klar definiert und verbindlich ausgestaltet werden. Dazu gehören ein unbürokratisches und verlässliches Entlassmanagement, verbindliche Kommunikationsstandards sowie abgestimmte Prozesse, damit Patientinnen und Patienten ohne Brüche weiterbehandelt werden können.

Ein Primärversorgungssystem setzt voraus, dass Hausärzte stärker koordinieren. Was braucht es, damit diese Aufgabe angesichts begrenzter hausärztlicher Kapazitäten und der bestehenden Steuerungs- und Anreizstrukturen im System gelingen kann?

Ein Systemwechsel hin zu einem Primärversorgungssystem wird sich über einen längeren Zeitraum vollziehen. Mit Blick auf begrenzte hausärztliche Kapazitäten braucht es deshalb entlastende Maßnahmen. Kurzfristig ist die Reform der Akut- und Notfallversorgung mit vernetzten Leitstellen und klaren Zugangswegen entscheidend. Mittelfristig braucht es definierte Behandlungspfade und interprofessionelle Teamstrukturen. Langfristig müssen Prävention, Gesundheitsvorsorge und Gesundheitskompetenz gestärkt werden.

Mit der zunehmenden Akademisierung der Pflege und den wachsenden Anforderungen im Versorgungssystem verschieben sich Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Ärzten und Pflegekräften. Wie lässt sich Interprofessionalität so gestalten, dass sie im Versorgungsalltag funktioniert, ohne klare Zuständigkeiten im System zu verwässern?

Wichtig ist, dass die Versorgung nicht zerfasert, sondern interprofessionelle Versorgung unter einem Dach ohne zusätzliche Schnittstellen erfolgt. So können Vorteile wie gemeinsame Kommunikationsstrukturen, ein gemeinsames Leitbild und Schulungen im Team genutzt werden. Die Bundesärztekammer spricht sich für die Delegation definierter Aufgaben an qualifizierte Gesundheitsfachberufe wie fortgebildete MFA oder Physician Assistants aus. Vorausgesetzt, die erforderlichen Kompetenzen sind vorhanden und werden nachgewiesen – Patientensicherheit muss gewährleistet bleiben.

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